Das Ellmauer Tor ist ein gewaltiges und markantes Joch im wilden Kaiser dass sich unübersehbar zwischen Karlspitzen und dem Goinger Halt sattelt. Über das Tor lässt sich der Kaiser von Norden nach Süden überqueren. Ausgangspunkt der Tour war die Griesner Alm im Kaiserbachtal.
Info: Dies ist eine alpine Bergtour und kann nur bei guten, stabilen Wetterbedingungen gemacht werden. Der schwere Steig ist weitestgehend Drahtseilversichert und vom KS-Niveau A. Bergschuhe (B-C), und sehr gute Trittsicherheit sind Grundvoraussetzung! Wenn noch Schneefelder im Tor zu sehen sind, sind Steigeisen unbedingt notwendig.
Ursprünglich war es geplant zum Stripsenkopf zu wandern, doch änderten der Alex und ich kurzfristig das Vorhaben. „Durch das Ellmauer Tor wollte ich schon immer einmal gehen / blicken“. Schon am Parkplatz staunten wir nicht schlecht über die gewaltigen und messerscharfen Kalksteinspitzen die sich imposant vor uns aufragten. Vom Norden ist der Kaiser ja noch imposanter!
Wir gingen vorbei an der Alm über den Fluss. Dort war bereits das Ellmauer Tor mit 3 Std. ausgeschildert. Dem Weg (der auch zum Stripsenjoch führt), folgten wir 1,5 Stunden bergauf. Immer wieder lagen rießige Gesteins-Brocken im Grasfeld die vom Kaiser abgegangen waren. Bald schon konnte man das Joch zum Ellmauer Tor erkennen, dass wie ein Nadelöhr zwischen den Bergen lag. Ein Schneefeld vom Kar lag über dem Wanderweg.
Die ersten Zweifel hatte ich als wir von hier bereits 2-3 Schneefelder im Tor sahen. Ich meinte dann wir sollten einfach mal schauen wie weit wir kommen und ggf. umkehren. 15 Minuten vor der Hütte (vor den letzten Serpentinen zum Stripsenjoch), zweigt der Weg nun nach links ab. Von hier noch 2 Std. zum Tor. Wir machten uns auf über das Schotterfeld und erkannten dann den Steig, der sich am Fels entlang bewegte.
Alles gut Drahtseilversichert und nicht zu ausgesetzt. Für Leute mit Höhenangst ist hier allerdings schon Schluss, denn hinter dem 1/2 Meter breiten Weg geht es steil hinab. Es geht um den Ecke entlang der Klippe auf das Joch zu und dann hinein. Die Landschaft hat sich schon geändert: Nur noch kahler Fels und Schotter. Beeindruckend ist es wenn man dann plötzlich zwischen den riesigen Felswänden steht die senkrecht hunderte Meter nach oben gehen.
Der Steig führt immer weiter hinauf. Überall waren Markierungen die den richtigen Weg wiesen. Dann haben wir 2 Ladies aus Kufstein eingeholt die gerade ein Päuschen machten. Nach einer Weile erreichten wir das erste Schneefeld und das war schon ein Problem. Eigentlich hätten wir hier schon umkehren sollen, denn es war steil und verhärtet. Es gab schon Tritte im Schnee, die wir nutzen um die wenigen Meter hinauf zu klettern. Dann eine Randkluft, der Schnee auf dem man stand nur ein paar Dezimeter dick. Ein gewagter Schritt auf die Felswand und leichte Kletterei waren der einzige & halbwegs sichere Weg.
Die Mädls hinter uns warnten wir vor der Randkluft, sie folgten aber unseren Spuren. Kurz darauf standen wir vorm nächsten Schneefeld. Das war viel größer und schier unpassierbar. Ohne Steigeisen war da kein rüberkommen, so steil und glatt war es. Weiter oben sahen wir noch weitere Bergsteiger. Nachdem wir fast 30 Minuten lang hin und her überlegten wie man da am besten rüberkommt, gaben sie uns Hilfestellung. Zusammen mit den Kufsteinerinnen versuchten wir es jetzt über eine Felswand, die aus dem Schneefeld ragte.
Wir kletterten den Fels rauf, der mindestens ne III+ war! Dann nur noch ein kurzes Stück über das Schneefeld, indem man kräftige Tritte in den Schnee haut und einem dabei die Finger abfrieren. Auch jetzt war der normale Weg nicht begehbar, wegen des Schnees, sodass wir weiter über die Felsen raufkletterten. Es wäre wohl noch 1 Std. von hier zum Ellmauer Tor gewesen, und wir hatten viel Zeit an den Schneefeldern verloren. Zudem sahen wir dunkle Wolken aufziehen. Wir sind allesamt umgekehrt.
Wir waren schon weit gekommen und saßen mitten im Joch kurz vor dem Sattel, aber eigentlich hätten wir ohne die Ausrüstung gar nicht so weit gehen sollen. Jetzt war es ganz klar vorbei, man muss halt auch umkehren können… So gings zurück, doch war das gar nicht so einfach, denn wir mussten die 3er Stelle wieder runterklettern. Also fast nur auf Reibung und wenig Tritt. Die Mädls hatten hier Probleme und wir halfen ein bisschen beim Trittfinden. Auch beim Schneefeld mussten wir in Zusammenarbeit über die Randkluft wieder runter.
Insgesamt war es schon zu riskant, doch ab und an wagt man eben doch mal etwas… Den A-Steig kamen wir alle problemlos runter. Als wir zurück auf dem Wanderweg waren, waren wir auch schon fast auf der Hütte. Am Stripsenjochhaus trafen wir dann die anderen Bergsüchtigen Freunde. Jetzt kam langsam der Regen und wir aßen erstmal nen rießen Teller Kaiserschmarrn!
Leider verloren wir uns erneut beim Abstieg, doch musste eh jeder in eine andere Richtung. Mit Oli und Aneta trafen wir uns am Parkplatz als es schon zu donnern begann.
Fazit
Das Ellmauer Tor ist schon eine absolute Attraktion, egal ob man darunter steht und hindurch blickt, oder es überquert. So oder so, es war riskanter als es hätte werden dürfen, von daher kann ich nur abraten das zu versuchen, wenn noch Schneefelder den Weg blockieren. Ansonsten ist es ein gut zu bewältigendes Ziel mit super ausgebautem Steig. Irgendwann komm ich vielleicht zurück.
Bewertung
Landschaft:
Überwältigend!
Markierungen:
Gut
Bewirtung:
Sehr Gut
Abenteuer:
Extrem!
Frequentierung:
Gering
Kondition:
Hoch
Gefahrenpotential:
Hoch
Bergsteigen vom 27.May 2018 in Kirchdorf in Tirol (Wilder Kaiser)