Nach einer Gewittrigen Nacht, die sehr gruselig auf dieser Höhe ist, brechen wir bewusst vor der Masse auf. Sogar Hans Kammerlander hat uns bei einer gemeinsamen Bergtour geraten auf jeden Fall früh genug los zu gehen. Die Hüttenwirte waren von dieser Idee allerdings alles andere als begeistert. Trotzdem stehen wir und Punkt 5 Uhr Aufbruch fertig als erste Seilschaft vor der Tür in der Dunkelheit um zügig loszugehen.

Wir wissen, dass die unzähligen Gruppen mit Bergführern ein Problem für die Etappe sind, aber wie schlimm es wirklich werden würde, war uns noch nicht bewusst. Etwas dem Grat folgend, erreichen wir schnell den Rand vom Gletscher, wo wir uns ans kurze Seil nehmen (denn es folgt ein steiler Hang).

In der Dämmerung erscheint uns die Silhouette des Berges noch sehr düster und bedrohlich. Rechts geht schon bald eine glühend rote Sonne auf. Mitten auf dem Eis hang mit 3 Serpentinen hat Nadja massive Probleme mit ihren Steigeisen daher verlieren wir schon jetzt viel Zeit. Oberhalb des Hangs, geht’s dann schnurstracks auf die Felswand zu, wo das Glockner Leitl auf uns wartet.

Dies ist so einer der Schlüsselparts der Besteigung, aber bereits etwas entschärft worden. Denn der sehr steile Einstieg ist nun mit einem dicken, losen Hanfseil gesichert an dem man sich mehr oder weniger raufziehen muss. Trotzdem sollte das Felsklettern mit Steigeisen hier sitzen. Hier überholen uns nun die ersten 2 Bergführergruppen, aber ist nicht schlimm.

Weiter oben wird’s dann etwas wilder: eine kurze vereiste Rinne erfordert es rein auf Steigeisen und Pickel etwas steiler aufzuklettern (aber keine Sorge im Abstieg ist da nur noch Erde). Dahinter kommen noch einige ungesicherte Felskraxeleien im oberen 2ten Grad. Am gelben Wanderschild ist das Leitl überwunden (das übrigens gut mit Ringen und Bohrhaken A0 zu gehen wäre) und wir stehen am Sattele.


Ab jetzt geht es nur noch am Grat über den Felskamm weiter. Die Steigeisen können jetzt eingepackt werden und es geht ungesichert weiter. Die Bergführer gehen am kurzen Seil und sichern ihre Gäste immer fließend an den Eisenstangen (was wir auf dem Rückweg dann auch so machen). Die Eisenstangen sind super für die Orientierung des Weges! Bis II- geht es am Fels immer so weiter. Das Ganze wird immer ausgesetzter und spektakulärer. Manche Momente erinnern mich an den Jubiläumsgrat. Wir überschreiten nun den Plattigen Gipfelgrat des Kleinglockners.


Dahinter geht’s über ein Fixseil (C) steil hinab in die Glocknerscharte (oder auch Pallavicinirinne). Das ist so eine kurze Nervenprobe: Schmales Schneeband. Dahinter geht’s nochmal steil weiter hinauf mit ein paar schwierigeren Kletterpassagen die etwas Mut erfordern. Aber dann ist es geschafft: Das Goldene Kreuz des Großglockners ist erreicht!! Willkommen am Dach Österreichs. Der Glocknergrat sieht von hier eindrucksvoll aus. Besonders der Blick auf das Gebiet des Großvenedigers ist klasse. Man fühlt sich erhaben und ist stolz es geschafft zu haben. Für einen kurzen Moment haben wir den Gipfel sogar für uns allein, bis schon bald andere Gruppen uns einholen.


Dann geht der Schrecken aber los! Der Rückweg ist ein Desaster, kurzum: Wir haben zur Hütte über 4 Stunden gebracht, also fast doppelt so lang wie hinauf. Es kam uns eine unendliche Kette von sich gegenseitig überholenden Seilschaften entgegen und deren Bergführer so unfassbar egoistisch und Rücksichtslos wie es nur geht: Mit Ellbogen raus über unsere Hintersicherungen mit der Seilschaft gestiegen, sodass wir uns nicht bewegen konnten bis sie weg waren.

Da hinten rückt das humanistische Unheil näher
Und leider hört diese Schlange nie auf: Eine Gruppe nach der anderen will an uns vorbei…. Teilweise kamen die Gruppen dann auf dem Rückweg vom Gipfel wieder an uns vorbei um uns von hinten zu überholen, und wir standen immer noch rum und warteten auch mal wieder weiter zu können. Totale Katastrophe!!! Meine Nerven lagen irgendwann total blank…. Eine von unserer Gruppe hatte dann auch eine Panikattacke usw.
Nie wieder gehe ich auf den Großglockner! So ein heftigen Bergsteigeregoismus ertrage ich nicht mehr. In der Situation konnten wir nicht mehr sichern, wir haben es versucht aber die anderen sind einfach trotzdem reingestiegen, sodass es Witzlos war. Also: Sichern am Glockner bringt bei diesen schieren Menschenmassen nichts, ihr müsst da am kurzen Seil oder Frei runterkommen! Und am besten man ist schnell unterwegs, damit man nicht permanent von anderen überholt werden. Dort oben wird man zum Wettrennen gezwungen!
