Deutlich länger und weiter ist die zweite Etappe am Berg. Nach guten 300hm verlassen wir den Wald schließlich und betreten die nächste Vegetationsebene: Steppe. Unendlich weite Flächen und Landschaften tun sich hier auf. Weite, grüne Wiesen und besondere Blumen und Sträucher sowie ein paar magere abgebrannte Bäume. Im Abstieg vom Kili sehe ich die wundervolle Aussicht die man hat! In der Ferne sieht man die verschneiten Gipfel von Mawensi und südlich steht ein kleiner Vulkankrater auf knapp 3.000metern.


Leider ist es in meinem Fall anders: Es ist neblig und ich sehe nur den Weg vor mir. Später dann fängt es an so richtig zu schütten! Also so richtig dolle.... Wie aus Kübeln schüttet es ganze 3 Stunden durchgehend.... Jetzt wird es schwer nur langsam zu wandern, ehrlich gesagt: ich halte nicht mehr daran - Regenjacken über und schneller weiter! Doch das Problem: Dieser Wanderweg ist nicht gut - im Gegenteil: Die schieren Wassermengen die sich in kürzester Zeit vom hohen Berg her entstehen sammeln sich auf den Wanderwegen und bilden sofort einen reißenden Fluss.

Und genau entlang dieses Flusses geht meine Wanderung, aber noch härter: auch für die Träger mit dem ganzen Gepäck auf ihren Köpfen. Teilweise musste man über tiefe Wasserlöcher springen und auf schmalen Steinen über die Strömungen balancieren.... Mir ein Rätsel wie die das so gut hinkriegen. Irgendwo auf dem Weg, gibt es dann mal eine kleine Station mit Dächern zum unterstellen, aber da stehen wir nicht lange, da es nur kalt wird. Weiter durch den Monsun knickt der Wanderweg von Nordwesten immer weiter nach Westen ab und damit dann entlang der weit-auslaufenden Südhänge der Mawensi Berge weiter. Hierbei geht es immer um eine Kurve und dann über eine Brücke drüber - und nach jeder Kurve denke ich endlich anzukommen.

Nach ungefähr 7 solcher sich wiederholenden Kurven gibts dann endlich eine letzte Brücke hinter der im Nebel nur schwach die Dächer zu erkennen sind. WIr halten uns nicht lange auf und mein Guide Brighton organisiert an dem Checkin-Hüttchen schnell meine Schlüssel. Ich bekomme eine Unterkunft in einem großen, hölzernen auf Stelzen errichteten Reihenhüttchen. Sieht neu und robust aus und ist innen echt ganz schön geräumig. Normalerweise wären alle Betten belegt, aber ich habe ein Hüttchen für mich ganz allein (Normal 4 Betten pro Hütte). Es gibt einen Tisch und Stühle und eine schöne Veranda.

Aus den Wasserhähnen kommt kein Wasser, man braucht sein eigenes Klopapier sowie eigene Seife. Keine Duschen dafür aber ein Sitz-WC! Erstmal bin ich unterkühlt und pitschenass, sodass ich mich abtrockne und erstmal für paar Stunden mich im Schlafsack aufwärme. Aber auf 3.720m oben spürt man es dann bereits: Die durchgängige Erschöpfung und irgendwie ein unwohles Gefühl.... Es ist außerdem echt kalt hier oben und die Umgebung irgendwie Trostlos. Am Abend hört der Regen irgendwann auf und es wird richtig schön! Ich sehe mich um und bestaune die Sicht auf den weißen Koloss des Kilimanjarogipfels und natürlich im Norden den Mawensi mit seinen wundervollen, markanten Berggipfeln.


Im Süden breitet sich ein gigantisches Meer aus Wolken über ganz Tansania aus. Der flach abfallende Berg verschwindet langsam unter mir darin. In den Küchen herrscht beste tansanianische Laune und jeder lacht und unterhält sich angeregt. Die Schweizer sind auch hier und das Franzosenpärchen (was neben mir quartiert) entscheidet sich keinen Pausentag zu machen und gleich morgen weiter zu ziehen ... Ein fatler Fehler. Denn man ist auf 3.700m Höhe und der Körper muss erstmal neue Blutkörperchen bilden. Und dazu braucht es viel Ruhe, Essen und Wasser! Deshalb gehen wirs jetzt locker an. Diese Nacht gibt es einen herrlich klaren Sternenhimmel... das erste Mal sehe ich die Sterne der Südhalbkugel über mir! Ich bleibe noch lange auf der Veranda und genieße sie zu sehen.

Aklimatisierungstour zu den Zebrarocks
Am nächsten Tag unternehmen wir nach dem Frühstück nur eine kleine Tour. Eine gute Stunde bergauf durch die trockene Steppe gehen wir zu den auf 4.000m gelegenen Zebrarocks. Die Umgebung hier ist wie an den Hütten: Keine Vegetation mehr NUR diese gelb/grünen komischen Palmen die hier überall wachsen. (Sind wohl was ganz besonderes und die gibts nur aufm Kili)... Ansonsten ist es kalt, windig, regnerisch und die Steine am Boden sind schwarz und bröselig. Ich habe viel Pech mit dem Wetter, da eigentlich ja die Trocken-Zeit ist und die Regenzeit erst ab April beginnen würde... Trotzdem bestraft mich der Wettergott enorm.

Der kurze Weg hinauf ist gemütlich aber man merkt schon wie schwer man bereits atmen muss um bergauf zu wandern... Die Wände der Zebrarocks sind aalglatt und tatsächlich schwarz mit weißen Streifen. Ich mache ein paar Fotos. Anschließend gehen wir hinauf und überblicken hier den weiteren Weg in Richtung Kibo-Hütte.

Am Abend bin ich dann schon froh am nächsten Tag weiter zu gehen, denn es ist schon irgendwie einsam allein in der Lodge zu sein, wo man entweder im Schlafsack liegt oder sich in der Küche zu meiner Gruppe gesellt. Wer sonst noch so unterwegs ist? Es gibt die Schweizergruppe die lieber für sich bleibt und eine ganz schön große Gruppe Russen von denen am Ende, wie ich erfahre, dann 25 Leute mit Notransportern ins Tal gebracht worden mussten.